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FOTOS © FLURIN MADSEN

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MASTERPROJEKT BÜHNENBILD FLURIN MADSEN // 2009

was bedrückt dich?

Man begibt sich mal wieder, entspannt und gespannt, zum Theater der Künste an der Gessneralle, idyllisch an der Sihl gelegen, und freut sich auf einen neuen Theaterabend. Vor dem Haupteingang wehen Flaggen mit dem Titel. Im Foyer befindet sich das Theaterpublikum versammelt bei einem Küpli, Zigaretten rauchend, smalltalkend, sich gegenseitig begutachtend und anlächelnd. Die Schauspieler wurden ersetzt durch Maschinen. Maschinen, die menschliche standardisierte Tätigkeiten/Gesten/Zeitvertriebe nachahmen. An 15 Tischen sitzten sie: Rauchen eine Zigarette, schütteln die Hand, nicken mit dem Kopf, rütteln am Tisch, schaukeln mit den Beinen, verschieben nervös den Stuhl, schminken sich die Lippen neu. Das Licht ist hell, der Lärm der Maschinen laut.
Plötzlich erschlaffen die Maschinen, die Lichter gehen aus, ein Theatervorhang schliesst sich. Ein Signalhorn erklingt: Alarm. Die Grundfrequenz der Maschinenmotoren, ein tiefer, angenehmer Sound, wird hörbar. Ein violetter Verfolger geht an, richtet sich auf das Signalhorn, es entsteht intime Zweisamkeit. Und langsam beginnen sich ganz vorsichtig die andern Maschinen dazu zu gesellen. Die Bewegungen sind nur noch klein, nicht mehr so hektisch wie vorher. Und jeder Klang ist aufgeblasen, ist unüberhörbar. Das Publikum findet sich in einer Welt aus sanften Klängen, die subtil rhythmisiert sind, während die Maschinen dazu Ballett tanzen.
Bis sich der Vorhang öffnet, ein selbständiger Stuhl zu steppen beginnt und dazu eine gehauchte Melodie vernehmbar wird. Absurd, grotesk, und die Melodie erinnert an einen Popsong. Ein Popsong, dem es an irgendetwas fehlt, ganz offensichtlich. Der Text ist weg, a capella Begleitung ist als einziges übrig geblieben. Der Vorhang schliesst sich wieder, die Maschinen verfallen in die hektische Stimmung, es wird hell – das Spiel geht wieder von vorne los.

Musik
Die musikalische Ebene dieser theatralen Installation arbeitet mit den Geräuschen, welche die Maschinen produzieren. Alle 18 Maschinen sind mit einem Piezo-Tonabnehmer ausgestattet. Ein Max/MSP-Patch nimmt diese Klänge in Echtzeit auf, platziert sie immer neu im Raum. Harmonisch werden die Motorenklänge entlang der Naturtonreihe (bis zum zehnten Oberton) transponiert, nach einem algorithmischen System. Auch die Tonlängen sind algorithmisch gesteuert. Ein Puls bildet ein Raster, auf dem dann Primzahlen-Dauern abgemessen werden. So klingt die »Nachtmusik« bei jedem Durchgang der Endlosschlaufe anders.

idee und leitung: Flurin Madsen
musik: Marcel Saegesser
mit: Annette Lober, Jonas Gygax, Verena Goetz.
technik: Werner Heers, Mischa Schlumberger, Johannes Knot, Michel Weber, Dominik Fedier, Istvàn Major, Produktionszentrum ZHdK
assistenz: Theres Indermaur
Masterprojekt Bühnenbild, F. Madsen

http://www.theaterderkuenste.ch/wasbedruecktdich
Theater der Künste, Bühne A, 2.-5. 12.2009,
jeweils 20 - 22 Uhr, Einlass durchgehend.
2009 Theater der Künste, Zürich

Links zur Dokumentation auf Youtube
Blick 1
Blick 2

«Eine Nachtmusik»

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